Autor: Johannes Lauterbach

Angelika Schall: Transformar é Possivel

Transformar é Possivel”

Angelika Schall (Kontaktbüro der Associação Comunitária Monte Azul in Deutschland (www.monteazul.de))

Das Vorhaben, eine neue Art und Weise anzustoßen, mit dem Thema Veränderung/Verwandlung umzugehen, hat mich inspiriert und ich freue mich, mit meiner brasilianischen Kollegin Valeria Carrilho, die elf Jahre in der Gemeinschaftsorganisation Monte Azul tätig war, etwas zu diesem Versuch beizutragen.

Ich selbst habe 1981 in Monte Azul herzhaft in der Praxis erlebt, was für mich Anthroposophie ist: Mensch werden; aus freiem Interesse Verantwortliches tun; durch freies Interesse Entwicklung ermöglichen. „Transformar e possivel“ (Verändern ist möglich) ist das Leitmotto von Monte Azul, kein gewählter Begriff, sondern eine aus der in über 35 Jahren sich entwickelnde Realität abgelesene Erkenntnis.

Die Frage taucht immer wieder auf:.. und wie funktioniert das? Wie funktioniert Monte Azul? Wie funktioniert „transformar e possivel“? Es gibt keine Rezepte, aber die Basis ist m.E. echtes Interesse auf gleicher Augenhöhe; Wertschätzung; schaffen von Initiativräumen. Das macht einfach Laune, eigene Fähigkeiten zu entdecken und Sinn-voll einzusetzen. Sinn ergibt sich, wenn Zusammenhänge deutlich werden, geschaffen werden, Verbindung zu allem entsteht, was beteiligt ist; Zusammengehörigkeit, Integration. Das sind alles heutzutage Schlagworte geworden und es wird viel darüber geredet. In Monte Azul findet Integration statt. Einmal monatlich ist „Integração”, früher hieß es „Tag der Freude“. Ein Tag, wo sich alle MitarbeiterInnen in anderem Kontext erleben: die von der Administration z.B. in der Küche, andere bei künstlerischen oder handwerklichen Tätigkeiten, alle ca 250 dann gemeinsam arbeitend an einem geistigen Thema: letztes Jahr an den Zusammenhängen der Metalle mit den Planeten und Seelenqualitäten. Da sitzt dann auch das Putzpersonal, die Köchin neben dem Arzt, alle gleichermaßen daran beteiligt.

Wir, Valeria und ich, freuen uns, mit interessierten Menschen einen praktischen, kreativen Prozess zu begleiten, also eine Art Experimentierlabor, um die Frage erlebbar zu machen, wie „transformar e possivel“ funktionieren kann. Das kann ein gemeinsames Bild werden, in dessen Entstehen durch immer wieder Innehalten Fragen bewegt werden wie „will ich gerade etwas Bestimmtes malen? Passt das ins gesamte Bild? Nehme ich wahr, was die Anderen tun? Wo geht es hin? Wird es etwas Gemeinsames oder macht jeder Seins? Ist das ok? Was macht das mit mir? Enttäuschung, Freude, Frust oder klinke ich mich aus? Ergreife ich Initiative? Welche Wege gibt es, zu verändern?

Neben unser beider beruflicher Erfahrungen sowie der aus der Arbeit der Associação Comunitária Monte Azul, schöpfen wir beide aus den Möglichkeiten, die das „Dragon Dreaming“ (www.dragondreaming.org) oder auch „Mit Drachen tanzen“ bietet: tiefes Zuhören, integratives Sprechen.

Sarah van Gelder: Big Protests Are Fine, But Here’s a To-Do List…

Sarah van Gelder

(Quelle s. http://www.yesmagazine.org/people-power/big-trump-protests-are-fine-but-heres-a-to-do-list-fo-lasting-change-20170118

Big Protests Are Fine, But Here’s a To-Do List for Lasting Change

After the inauguration and the Women’s March on Washington, what comes next? To make real change, we’ll need to build power where we live.

 

As the Trump regime rolls out, the need for building local power becomes startlingly clear.

Many will march in the Women’s March on Saturday, and that promises to be an important statement against normalizing the Trump administration.

But after the big events are over, what next? National demonstrations are important, but to make real change, we’ll need to build power where we live.

It’s in our communities that we can resist hate and stand up for each other.

In communities we have the moral authority to insist on the changes we need and to build the sort of world we want. By building connections—even with people who vote differently—we can find common purpose that transcends polarized politics. On that basis, we can resist those who would force pipelines or deportations on us and reclaim our power as “we the people” of the United States.

So what does it actually mean to build power where you live?

As I traveled across the United States reporting for YES! and for the book, The Revolution Where You Live: Stories from a 12,000 Mile Journey Through a New America, I found answers as diverse as the communities I visited.

The following, adapted from the book chapter, “101 Ways to Reclaim Local Power,” regroups these ideas under the categories of Reconnect, Resist, and Revitalize. Some are major projects; some are simple changes in habits. None is a quick fix, but as I discovered on my trip, this work, grounded in place, can release enormous energy and even joy.

1) Reconnect to your human and ecological community

· Learn about the original people whose land you live on, and acknowledge them.

· Convene get-togethers for people who don’t normally interact: old and young, police and community, people of different races and places of origin.

· Learn about the links between soil health and human health.

· Learn where your water comes from, how it gets to homes, schools, and businesses, and how (and whether) it is safe.

· Walk outside. Pause to talk with people you encounter.

· Attend someone else’s ceremony or celebration.

· Make space for everyone to speak for themselves, especially those often silenced or marginalized.

· Meet for coffee with someone who is feeling isolated.

· Get to know the people who are just arriving in your community, especially refugees and immigrants.

· Offer translation at community events.

2) Resist hate, exclusion, and policies that impoverish your community

· Learn about police practices in your community: Are people of color or immigrants more likely to be stopped, arrested, prosecuted, and sentenced? Does an inability to post bonds mean some are in jail for extended time periods awaiting trial?

· Avoid e-commerce and corporate chains. Grow local, shop local, share local.

· Learn the mechanics of voting and ballot access; resist efforts that exclude eligible voters.

· Pay attention to outside entities that are looking to exploit or privatize the commons, and sound the alarm.

· Find out who in your community is not free—buried in debt, in prison, being trafficked. Support their vision of liberation.

· Sponsor election debates; the people who are most marginalized should moderate and ask the most questions.

· Ask for help. (Don’t be a martyr!) People often want to pitch in but aren’t sure how. Create spaces for leadership to emerge.

3) Revitalize your community and reclaim power

· Encourage retiring business owners to sell their businesses to workers.

· Introduce talking circles to schools so that students have a safe way to resolve conflicts.

· Hold celebrations featuring the diverse foods, music, dance, and art from the cultures that make up your community.

· Clean and conserve water by creating wetlands and rain gardens.

· Start a licensed kitchen incubator so people can process and sell their favorite salsa or soup.

· Encourage your library to loan out tools, bicycles, and clothes for job interviews.

· Organize to establish community-owned electricity generation, such as solar or wind power.

· Learn and teach facilitation, mediation, and circle processes so people can work effectively together.

· Run for local office.

· Hold forums to set community priorities, and invite elected officials to respond to your agenda. Ask for commitments and report-backs.

Transformierte, oder transformierende Gesellschaft?

Das Ziel der Transformation ist nicht eine transformierte Gesellschaft, sondern eine sich transformierende Gesellschaft

In den Diskussionen über Alternativen zum herrschenden Weltwirtschafts- und Gesellschaftssystem bei den Weltsozialforen und anderen Plattformen wurde schnell deutlich, dass es nicht darum gehen kann, dem der Welt von herrschenden Eliten aufgezwungenen Paradigma des neoliberal globalisierten Kapitalismus ein anderes Modell entgegenzusetzen. Vielmehr wurde von Anfang an betont, dass es um die Vielfalt der Lösungsansätze geht, um viele mögliche andere Welten.

Folglich ist ein wesentlicher Schritt und zugleich zentraler Teil eines neuen Zukunftsansatzes, nicht eine bestimmte Gestaltung sondern die Gestaltbarkeit der Verhältnisse durch die Betroffenen zu gewährleisten.

Gleichzeitig ist klar, dass dies nicht in der reinen Beliebigkeit stattfinden kann. Nach welchen Richtlinien arbeiten wir zusammen, wenn es kein gemeinsames „Modell“ geben kann?

Das International Forum on Globalisation bot damals die Definition eines Werte-Kanons, dem die meisten zivilgesellschaftlichen globalisierungskritischen Bewegungen zustimmen könnten, an. [1]

Es gibt hier aber noch eine grundsätzlichere Frage: Wenn das Neue wirklich neu sein soll, dann können wir es jetzt noch nicht kennen. Das heißt aber, dass jede Zukunftsplanung, die eine Vorstellung dessen beinhaltet, wie es in Zukunft aussehen soll, nicht wirklich die Zukunft gestaltet, sondern Altes und aus bereits bekanntem entwickelte Vorstellungen in die Zukunft projiziert.

Gleichzeitig ist unser Denken und Handeln von Werten geprägt, aus denen sich Vorstellungen wie das Leben aussehen soll ableiten. Der Wunsch nach Sicherheit beinhaltet auch den Wunsch zu wissen, wie es morgen aussieht.

Dies wird zum Beispiel in den Transformations-Bausteinen der Akademie für solidarische Ökonomie reflektiert, die als Lösung die Formulierung von Anti-Thesen zum herrschenden System anbietet, die als Leitlinien gelten können. [2]

Hierin liegt aber auch eine persönliche Grundsatzfrage. Will ich bestimmen, wie es in Zukunft aussehen soll und die Erreichung fester Ziele anstreben? Oder lasse ich mich auf einen offenen Gestaltungsprozess ein?

Hinzu kommt ein oft wenig beachteter Aspekt: Die sich beschleunigende Entwicklung globaler Veränderungen. Die Abholzung der Urwälder in den Regionen der neolithischen und urbanen Zivilisationsentwicklung dauerte Jahrtausende. In den vom Kolonialismus betroffenen Regionen dauerte es wenige Jahrhunderte.

Die Beschleunigung der technologischen Innovationszyklen wird dramatische Umwälzungen innerhalb immer kürzere Zeitabstände zur Folge haben. In den Forschungslaboren der Konzerne und zunehmend konzernfinanzierten Universitäten wird mit Hochdruck an drei parallelen technologischen Entwicklungssprüngen – Kybernetik/Künstliche Intelligenz, Nanotechnologie und Gentechnologie – gearbeitet, von denen jeder einzelne die Industrielle Revolution in den Schatten stellt.

Die Rahmenbedingungen für Zukunftsgestaltungen verändern sich rapide noch während wir am planen sind. Die Bestandsanalysen, auf deren Grundlage wir Ziele formulieren, verlieren ihre Gültigkeit, bevor wir unsere Pläne umsetzen können. „Planning in action“ war schon vor Jahrzehnten die Devise von Stadtplanern, die in den schnell wachsenden Megastädten mit über Nacht entstehenden informellen Siedlungen konfrontiert wurden.

Wie gehen wir damit um? Müssen wir nicht neue Kompetenzen ausbilden um fähig zu sein, im sich ständig wandelnden Umfeld gestaltungsfähig(er) zu werden?

In der Bildung für nachhaltige Entwicklung und im Globalen Lernen wird durchaus auch die Kompetenz angestrebt, sich in einem sich wandelnden globalen Umfeld orientieren zu können und Verantwortung zu übernehmen. Aber haben diese Bildungskonzepte wirklich die Beschleunigung dieser Veränderungen im Blick? Welche praktischen Fähigkeiten bilden sie dafür aus?

Gesellschaftliche Strukturen und Praktiken stehen der Offenheit der Gestaltungsprozesse im Weg. Unsere Zuschussgeber fordern eine Problemanalyse, eine genau beschriebene Zielsetzung und einen Maßnahmenplan. Es werden Wirkungsketten entwickelt, die darstellen wie der Input über einen Output zu indirekten und direkten, vorher bestimmten Wirkungen führen soll.

Dahinter steckt ein aus den Naturwissenschaften entlehntes Kausalitätsprinzip, dessen (Un-)Gültigkeit im Sozialen in den vergangenen zwei Jahrhunderten oft genug kritisch diskutiert wurde.

Vor Jahrzehnten beschlossene Großprojekte sind nicht mehr zu stoppen oder zu ändern, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, weil die „Sicherheit der Investitionen“ gewährleistet werden muss. Geld wird nur für Projekte eingesetzt, die ein vorher benennbares Ergebnis erwarten lassen.

Wollen wir uns wirklich diesem Denken unterwerfen, oder wollen wir uns darauf verlassen, dass in sozialen Veränderungsprozessen selbstständig denkende und handelnde Menschen unterwegs sind, die in jedem Moment eine Situation erfassen und darauf reagieren können?

Welche Veränderungen in den gesellschaftlichen Strukturen sind erforderlich, um Prozesse gestaltbar zu machen?

In den neueren Entwicklungen in den Naturwissenschaften, wie Chaosforschung und Genetik, wurde das Phänomen der Emergenz entdeckt, d.h. die plötzliche Neuentstehung eines Zustands, dessen Eigenschaften nicht aus dem alten Zustand abgeleitet werden können. Meist befindet sich der alte Zustand fern vom Gleichgewicht, bevor er an einem „Bifurkationspunkt“ in ein neues Gleichgewicht übergeht. Die Analogie zu den multiplen globalen Krisen und der erwarteten Großen Transformation liegt auf der Hand.

Was können wir aus diesen Zweigen der Naturwissenschaften lernen und wo liegen die Unterschiede bei sozialen Prozessen?

Im künstlerischen Prozess entsteht immer unerwartet Neues. Der künstlerische Prozess ist durch einen intensiven Dialog mit dem entstehenden Werk geprägt. Es wird kein Plan umgesetzt, das „Planen“ und das „Umsetzen“ ist ein einziger integrierter Vorgang, der dadurch möglich ist, das der „Planende“ und „Durchführende“ im Entstehungsprozess mit dem Entstehenden verschmilzt.

Auch hier sollten wir fragen: Was können wir daraus lernen und was sind die Unterschiede in der sozialen Transformation?

Dies soll keineswegs ein Plädoyer dafür sein, jede Zielformulierung und jede Planung über Bord zu werden. Viele von uns kennen zur Genüge die allzu offenen Arbeitsprozesse und Gruppentreffen, bei denen am Ende gar nichts passiert.

Es geht darum, vor dem Hintergrund der Großen Transformation und der sich beschleunigenden Entwicklungen (selbst-)kritisch zu hinterfragen, wie wir bisher arbeiten und welche neuen Kompetenzen und Arbeitsweisen diese völlig neue historische Situation von uns fordert.

[1] International Forum on Globalisation IFG, Alternatives to Economic Globalization, Berrett-Koehler 2002, www.ifg.org

[2] Harald Bender, Norbert Bernholt, Wolfgang Fabricius, Klaus Simon

Von der kapitalistischen zur solidarischen Ökonomie – Teil 1: Transformationspfade und Wandlungsprozesse, Stand 01.06.11, S.5, Link (Zugriff 16.01.17):

www.akademie-solidarische- oekonomie.de/images/jdownloads/Dokumente/Transformation_I_2011_06_01.pdf